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Führung ohne Macht: So wird laterale Führung mit dem Reiss Motivation Profile® wirksam

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Elke Schaaf

Als Coach und Trainerin begleite ich Menschen mit Leidenschaft
auf ihrem persönlichen und beruflichen Weg.

Führung ohne formale Macht wirkt auf den ersten Blick paradox. Schließlich entsteht in klassischen Organisationen Orientierung oft dadurch, dass jemand klare Vorgaben macht und Entscheidungen hierarchisch getroffen werden. Doch moderne Arbeitswelten funktionieren zunehmend anders: Teams arbeiten interdisziplinär, Rollen wie Scrum Master oder Projektleitungen haben keine disziplinarische Verantwortung, Experten koordinieren Kollegen, die ihnen formal nicht unterstellt sind.

In dieser Realität muss Führung ihre Wirksamkeit aus anderen Quellen schöpfen: aus Klarheit, Sinn, Beziehung und Verständigung. Laterale Führung beschreibt genau dieses Prinzip. Und hier zeigt sich, wie kraftvoll ein fundiertes Verständnis innerer Motive sein kann. Das Reiss Motivation Profile liefert dafür eine präzise Landkarte, mit der sich Zusammenarbeit nicht nur organisieren, sondern gezielt gestalten lässt.

Führung ohne Formale Macht: Was heißt das konkret?

Führung ohne Macht bedeutet nicht, dass überhaupt kein Einfluss mehr möglich ist, sondern dass traditionelle Machtquellen reduziert oder vollständig entfallen. Disziplinarische Kontrolle, formale Weisungsbefugnisse oder direkte Auswirkungen auf Karrierewege stehen meist nicht zur Verfügung. Trotzdem sollen Personen in lateralen Rollen Orientierung geben, Entscheidungen begleiten, Konflikte moderieren und Ergebnisse verantworten. Die Machtbasis verschiebt sich damit weg von der formalen Position hin zu persönlicher Glaubwürdigkeit, fachlicher Stärke und guter Beziehungsarbeit.

In der Praxis entsteht Orientierung durch transparente Ziele und Spielregeln, durch eine klare Rollenklärung, durch abgestimmte Prioritäten und durch Moderation zwischen unterschiedlichen Interessen. Laterale Führung braucht deshalb ein hohes Maß an kommunikativer Kompetenz und eine bewusste Haltung zum Einflussnehmen. Führung wird zu einem Angebot, nicht zu einer Anweisung. Damit rückt die Frage in den Mittelpunkt, wie Motivation entsteht – und warum Menschen im Team freiwillig folgen.

Was ist laterale Führung?

Laterale Führung bezeichnet das Führen „zur Seite“, also ohne formale Überordnung. Sie findet überall dort statt, wo Zusammenarbeit auf Augenhöhe erfolgt, aber dennoch eine Person koordinieren oder Entscheidungen moderieren muss. Dazu gehören etwa Projektleitungen, Rollen in agilen Teams oder Fachpersonen, die andere Bereiche unterstützen und Veränderungen voranbringen.

Die Besonderheit dieser Führungsform liegt darin, dass Legitimität nicht automatisch gegeben ist. Stattdessen muss sie immer wieder neu hergestellt werden. Das geschieht zum Beispiel durch nachvollziehbare Entscheidungen, durch gelingende Abstimmungsprozesse und durch ein Miteinander, das als fair und sinnvoll erlebt wird. Laterale Führung basiert auf Beteiligung statt Vorgabe, auf Argumenten statt Ansagen und auf Vertrauen statt Kontrolle. Diese Form von Führung ist wirksam, aber auch anspruchsvoll, weil sie viel bewusster gestaltet werden muss.

Die drei zentralen Aufgaben lateraler Führung

Laterale Führungspersonen übernehmen im Alltag drei Kernaufgaben: Orientierung geben, Kooperation organisieren und Energie mobilisieren.

Der erste Aufgabenbereich umfasst das Übersetzen von strategischen Vorgaben in klare Ziele für das Team, das Priorisieren von Arbeitspaketen und das Erklären von Zusammenhängen. Orientierung bedeutet, Unsicherheit zu reduzieren und Entscheidungswege nachvollziehbar zu machen.

Der zweite Aufgabenblock betrifft das Organisieren der Zusammenarbeit. Dazu gehören die Klärung von Zuständigkeiten, das Festlegen von Übergaben und das Moderieren von Konflikten, etwa zwischen Linieninteressen und Projektanforderungen. Gerade in Matrixstrukturen entstehen Spannungen, die eine starke Moderationskompetenz erfordern.

Der dritte Bereich, Energie mobilisieren, ist besonders anspruchsvoll ohne formale Macht. Motivation entsteht nur, wenn Menschen sich wirksam erleben, Anerkennung bekommen und Sinn spüren. Erfolge sichtbar zu machen, Stärken zu nutzen und Entwicklungsspielräume zu schaffen, wird damit zum entscheidenden Erfolgsfaktor. Genau hier eröffnet das Reiss Motivation Profile® wertvolle Möglichkeiten, Motivation gezielt und individuell zu gestalten.

Reiss Motivation Profile®: Die Landkarte der inneren Motive

Das Reiss Motivation Profile® beschreibt 16 Lebensmotive, die erklären, was Menschen antreibt, stresst oder zufrieden macht. Dazu gehören Motive wie Macht, Unabhängigkeit, Ordnung, Status, Anerkennung, Idealismus oder Neugier. Das Profil misst keine Fähigkeiten und bewertet nicht zwischen „gut“ und „schlecht“. Es zeigt vielmehr, wie stark ein Motiv bei einer Person ausgeprägt ist.

Während klassische Führung vielleicht noch stärker über Rollen und Strukturen steuert, ist das Wissen über individuelle Motive in lateralen Kontexten ein strategischer Vorteil. Denn wenn Menschen aus freien Stücken folgen sollen, ist es entscheidend, was sie von innen heraus antreibt. Das Reiss Profil macht deutlich: Ein und dieselbe Situation kann aufgrund unterschiedlicher Motivlagen völlig verschieden erlebt werden. Diese Einsicht bildet die Basis für wirksame, respektvolle und motivorientierte Zusammenarbeit.

Warum laterale Führung ohne Motivverständnis schnell an Grenzen stößt

Ohne formale Macht greift kein Druckmittel, weder über Weisungen noch über Karriereoptionen. Laterale Führung kann sich deshalb nur über Überzeugung, Beziehung und Passung entfalten. Wenn individuelle Motive unbekannt bleiben, wird Führung schnell unbewusst normativ. Was eine Führungsperson motiviert, wird dann fälschlicherweise als universell angenommen.

Typische Fehlannahmen entstehen, wenn etwa eine sehr leistungsorientierte Projektleitung stark aufs Tempo drückt, während andere im Team ein hohes Sicherheitsmotiv haben und klare Strukturen brauchen. Oder wenn eine beziehungsorientierte Führungsperson Konflikte vermeiden möchte, während Kollegen mit starkem Einflussmotiv klare Entscheidungen erwarten. Das Reiss Profil zeigt, dass Verhalten nicht Ausdruck von „schwierigen Charakteren“ ist, sondern von unterschiedlichen Motivlagen und macht diese Unterschiede handhabbar, ohne sie zu bewerten.

Führung ohne Macht und Reiss Motivation Profile®: Wie passt das konkret zusammen?

Laterale Führung gewinnt enorm an Tiefe, wenn sie Motive einbezieht. Eine Projektleiterin kann Botschaften typgerecht formulieren, Konflikte differenzierter moderieren und Rollen verteilen, die zu den Motiven der Teammitglieder passen. Menschen mit hohem Neugiermotiv lassen sich über Lernchancen aktivieren, während Personen mit starkem Ordnungsmotiv Struktur und Klarheit benötigen. Konflikte zwischen Freiheitsliebenden und Strukturorientierten lassen sich leichter verstehen, wenn die jeweilige Motivlage sichtbar wird.

Auch Rollen lassen sich gezielter gestalten: Personen mit Machtmotiv übernehmen Stakeholder-Kommunikation oder Eskalationsmanagement, während strukturorientierte Teammitglieder Planung und Qualitätssicherung verantworten können. So steigt nicht nur die Leistung, sondern auch die Zufriedenheit im Team, weil Aufgabenpassung zu mehr Motivation führt.

Orientierung ohne Macht: zentrale Führungsprinzipien

Laterale Führung gewinnt, wenn sie auf Transparenz, Klarheit und Konsequenz setzt. Machtspiele oder verdeckte Agenden schwächen die Legitimität. Klare Entscheidungslogiken helfen, Unsicherheit zu vermeiden und Verbindlichkeit herzustellen. Ebenso wichtig ist ein Rahmen, der Orientierung gibt, ohne Mikromanagement zu betreiben. Stärken- und Motivorientierung wird zum Leitprinzip der Zusammenarbeit, und Sinnkommunikation spielt eine zentrale Rolle, besonders in komplexen Veränderungen oder agilen Arbeitsformen.

Wann ist der Einsatz des Reiss Motivation Profiles® in lateraler Führung sinnvoll?

Das Reiss Profil entfaltet seinen Nutzen vor allem dann, wenn Teams langfristig zusammenarbeiten, wenn Konflikte immer wiederkehren oder wenn Organisationen stark auf Selbstorganisation setzen. Voraussetzung ist ein seriöser, freiwilliger und professionell begleiteter Einsatz. Das Profil dient nie der Etikettierung, sondern dem Verständnis. Richtig genutzt, eröffnet es einen neuen Dialog über Bedürfnisse, Erwartungen und Zusammenarbeit.

Fazit: Führung ohne Macht braucht ein neues Verständnis von Einfluss

Laterale Führung ist anspruchsvoll und wirksam zugleich. Sie funktioniert nicht über Anweisungen, sondern über Klarheit, Sinn, Moderation und die wertschätzende Auseinandersetzung mit individuellen Motiven. Das Reiss Motivation Profile® liefert dafür eine präzise Grundlage. Es macht sichtbar, wie unterschiedlich Menschen ticken und warum sie auf bestimmte Situationen so reagieren, wie sie reagieren. Wer laterale Führung mit Motivwissen verbindet, gewinnt nicht nur Einflusskraft ohne Druck, sondern gestaltet Zusammenarbeit so, dass Menschen freiwillig folgen, weil die Führung zu ihren inneren Antrieben passt.

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