Als Coach und Trainerin begleite ich Menschen mit Leidenschaft
auf ihrem persönlichen und beruflichen Weg.
Machtspiele im Team entstehen selten aus Boshaftigkeit oder strategischer Kälte. In den meisten Fällen sind sie ein Versuch, mit Unsicherheit, Konkurrenz oder fehlender Klarheit umzugehen. Menschen greifen zu verdeckten Formen von Einfluss, wenn sie das Gefühl haben, dass ihre zentralen Bedürfnisse im Arbeitskontext nicht ausreichend berücksichtigt werden. Wer Machtspiele verstehen will, muss daher weniger auf das sichtbare Verhalten schauen und stärker auf das, was jemand damit erreichen möchte.
Machtspiele zeigen sich meist nicht in offenen Machtansprüchen, sondern in wiederkehrenden Mustern. Entscheidungen werden vertagt oder außerhalb offizieller Runden getroffen. Informationen tauchen selektiv auf oder kommen so spät, dass sie kaum noch nutzbar sind. In Meetings werden Beiträge anderer relativiert, korrigiert oder ironisch kommentiert. Nach außen wirkt vieles sachlich, im Inneren des Teams wächst jedoch das Gefühl, dass nicht alle nach denselben Regeln spielen.
Auffällig ist, dass diese Muster selten zufällig auftreten. Sie wiederholen sich, oft mit denselben Akteuren und immer ähnlichen Effekten. Zusammenarbeit wird zäher, Vertrauen bröckelt, Verantwortung wird vorsichtiger übernommen. Spätestens dann wird deutlich, dass es nicht um einzelne Konflikte geht, sondern um grundlegende Fragen von Einfluss und Orientierung.
Hinter jedem Machtspiel steht ein konkretes Anliegen. Dieses wird selten offen benannt, prägt aber das Verhalten deutlich. Die folgenden Motive treten in Teams besonders häufig auf.
Menschen, die Diskussionen dominieren, andere unterbrechen oder Entscheidungen an sich ziehen, wollen vor allem eines: Wirkung entfalten. Sie möchten gestalten, steuern und Ergebnisse beeinflussen. Fehlen ihnen klare Entscheidungsbefugnisse oder erleben sie sich als übergangen, greifen sie zu informellen Wegen. Das Machtspiel ersetzt dann formelle Gestaltungsmöglichkeiten.
Öffentliches Korrigieren, subtile Abwertungen oder das betonte Hervorheben eigener Leistungen wirken oft überheblich. Dahinter steckt jedoch meist die Sorge, an Bedeutung zu verlieren. Das Ziel ist Sichtbarkeit und Respekt. Machtspiele dienen hier dazu, den eigenen Rang im Team zu stabilisieren oder aufzuwerten.
Wer auf Regeln pocht, Prozesse verlangsamt oder Veränderungen ausbremst, wird schnell als kontrollierend wahrgenommen. Tatsächlich geht es diesen Personen häufig um Verlässlichkeit und Risikominimierung. Sie wollen Übersicht behalten und Ungewissheit reduzieren. Einfluss entsteht dabei über Strukturen und Verfahren.
Verweigerung, Rückzug oder das bewusste Ignorieren von Vorgaben sind ebenfalls Machtstrategien. Das Ziel ist hier nicht Dominanz, sondern Eigenständigkeit. Besonders in stark regulierten Umfeldern werden solche Strategien genutzt, um Handlungsspielräume zu sichern und Fremdbestimmung abzuwehren.
Koalitionen, Vorgespräche und informelle Allianzen erfüllen zwei Funktionen zugleich. Sie schaffen soziale Sicherheit und erhöhen den Einfluss auf Entscheidungen. Das Machtspiel verlagert Entscheidungsprozesse aus dem offiziellen Raum in persönliche Beziehungen.
Auch passive Blockaden sind zielgerichtet. Aufgaben werden verzögert, Entscheidungen ausgesessen, Verantwortung verschoben. Häufig steht dahinter der Wunsch nach Entlastung und Konfliktvermeidung. Kontrolle wird nicht über Durchsetzung, sondern über Tempo ausgeübt.
Machtspiele eskalieren, weil sie selten transparent gemacht werden. Das Team reagiert auf das sichtbare Verhalten, nicht auf das dahinterliegende Motiv. Wer sich ausgebremst fühlt, erhöht den Druck. Wer sich kontrolliert fühlt, sucht nach neuen Wegen, Einfluss zu sichern. So entstehen Gegenbewegungen, die sich gegenseitig verstärken.
Unklare Strukturen wirken dabei wie ein Beschleuniger. Wenn Entscheidungswege, Zuständigkeiten oder Informationsrechte nicht eindeutig sind, entsteht ein Machtvakuum. Dieses wird fast zwangsläufig durch informelle Strategien gefüllt. Je länger dieser Zustand anhält, desto stärker werden Machtspiele personalisiert und emotional aufgeladen.
Führung prägt maßgeblich, ob Machtspiele entstehen oder entschärft werden. Wo Entscheidungen nachvollziehbar sind und Kriterien offen kommuniziert werden, verlieren verdeckte Einflussstrategien an Wirkung. Wo Führung sich entzieht oder uneindeutig bleibt, wächst der Raum für informelle Macht.
Auch die Teamkultur spielt eine entscheidende Rolle. In Umfeldern, in denen Konflikte tabuisiert oder Fehler sanktioniert werden, verlagert sich Macht schnell in den Untergrund. In dialogischen Kulturen hingegen können Motive benannt werden, ohne dass Gesichtsverlust droht.
Ein wirksamer Umgang mit Machtspielen beginnt mit einem Perspektivwechsel. Nicht das Verhalten steht im Zentrum, sondern das Anliegen dahinter. Beobachtungen werden sachlich beschrieben, Auswirkungen auf das Team benannt. Erst dann wird geklärt, was der Person in dieser Situation wichtig ist.
Auf dieser Grundlage lassen sich neue Vereinbarungen treffen. Verantwortung kann klarer definiert, Sichtbarkeit bewusster verteilt, Autonomie gezielt eingeräumt oder Sicherheit durch transparente Prozesse geschaffen werden. Je besser ein Motiv offiziell berücksichtigt wird, desto weniger Anreiz besteht für verdeckte Machtspiele.
An diesem Punkt bietet das Reiss Motivation Profile® einen strukturierten Zugang. Es macht sichtbar, welche Motive Menschen besonders antreiben und wo Spannungen entstehen, wenn diese Motive im Arbeitskontext nicht ausreichend berücksichtigt werden.
Das Modell schafft eine gemeinsame Sprache für Unterschiede im Team. Es hilft zu verstehen, warum identische Situationen bei verschiedenen Personen völlig unterschiedliche Reaktionen auslösen. In der Praxis ermöglicht es, Rollen, Entscheidungsräume und Kommunikationsformen bewusster an realen Bedürfnissen auszurichten.
Machtspiele verlieren dadurch ihren verdeckten Charakter. Sie werden ersetzt durch Klarheit, Transparenz und passgenaue Gestaltung. Wo Motive gesehen und ernst genommen werden, muss Macht nicht mehr gespielt werden.
Machtspiele im Team – erkennen, verstehen, lösen Machtspiele im Team entstehen selten aus Boshaftigkeit oder strategischer Kälte. In den meisten Fällen sind sie ein Versuch, mit Unsicherheit, Konkurrenz oder fehlender Klarheit umzugehen. Menschen greifen zu verdeckten Formen von Einfluss, wenn sie das Gefühl haben, dass ihre zentralen Bedürfnisse im Arbeitskontext [...]
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