Als Coach und Trainerin begleite ich Menschen mit Leidenschaft
auf ihrem persönlichen und beruflichen Weg.
In vielen Teams und Organisationen entstehen Spannungen nicht durch mangelnde Kompetenz oder fehlenden Willen zur Zusammenarbeit. Häufig liegen die Ursachen tiefer. Unterschiedliche innere Motivationen können dazu führen, dass Menschen Situationen völlig unterschiedlich wahrnehmen und darauf reagieren. Besonders deutlich wird das beim Umgang mit Einfluss und Verantwortung.
Während einige Menschen aktiv gestalten und Entscheidungen treffen möchten, ziehen andere eine gleichberechtigte Zusammenarbeit ohne hierarchische Rollen vor. Treffen diese beiden Orientierungen aufeinander, entstehen typische Dynamiken. Die eine Seite sucht Einfluss, die andere vermeidet ihn. Genau an dieser Stelle wird das Zusammenspiel von Machtstreben und Machtvermeidung sichtbar.
Der Wunsch nach Einfluss gehört zu den grundlegenden menschlichen Motiven. Manche Menschen empfinden es als motivierend, Verantwortung zu übernehmen, Entscheidungen zu treffen und Entwicklungen zu steuern. Für sie bedeutet Einfluss auch Selbstwirksamkeit.
Andere Menschen haben hingegen wenig Bedürfnis danach, auf andere einzuwirken oder hierarchische Verantwortung zu übernehmen. Sie arbeiten häufig lieber auf Augenhöhe, konzentrieren sich auf fachliche Inhalte und vermeiden Situationen, in denen sie über andere entscheiden müssen.
Beide Orientierungen sind weder besser noch schlechter. Sie spiegeln lediglich unterschiedliche psychologische Bedürfnisse wider. Probleme entstehen häufig erst dann, wenn diese Unterschiede nicht erkannt oder falsch interpretiert werden.
Trifft eine Person mit starkem Machtstreben auf jemanden mit ausgeprägter Machtvermeidung, entsteht oft ein typisches Interaktionsmuster. Die machtorientierte Person übernimmt zunehmend Verantwortung und trifft Entscheidungen, während die andere Person sich eher zurückzieht oder bewusst Einfluss abgibt.
In manchen Situationen kann diese Rollenverteilung sogar funktionieren. Teams profitieren oft davon, wenn einzelne Mitglieder Verantwortung übernehmen, während andere sich stärker auf Inhalte konzentrieren.
Schwierigkeiten entstehen jedoch dann, wenn Erwartungen auseinandergehen. Die machtorientierte Person kann den Eindruck gewinnen, andere würden sich zu wenig einbringen oder Verantwortung meiden. Umgekehrt kann die machtscheue Person das Verhalten des Gegenübers als dominierend oder kontrollierend erleben. Solche Missverständnisse entstehen häufig, weil die zugrunde liegenden Motive nicht sichtbar sind.
Das Reiss Motivation Profile® beschreibt 16 grundlegende Lebensmotive, die menschliches Verhalten prägen. Eines davon ist das Motiv „Macht“. Dieses Motiv beschreibt das Bedürfnis nach Einfluss, Gestaltungsmöglichkeiten und Durchsetzung. Menschen unterscheiden sich stark darin, wie wichtig ihnen dieses Motiv ist.
Bei einer hohen Ausprägung entsteht ein starkes Bedürfnis, Entscheidungen zu treffen, Verantwortung zu übernehmen und Einfluss auf Prozesse oder Menschen zu nehmen. Menschen mit einer niedrigen Ausprägung bevorzugen dagegen Kooperation auf Augenhöhe und vermeiden Situationen, in denen sie über andere bestimmen müssen. Das Modell macht deutlich, dass solche Unterschiede keine Frage von Persönlichkeit im moralischen Sinne sind. Vielmehr handelt es sich um stabile Motivstrukturen, die das Verhalten langfristig prägen.
Gerade in der Führung kann das Wissen über unterschiedliche Motivstrukturen helfen, Konflikte zu vermeiden. Wer erkennt, dass Menschen unterschiedliche Bedürfnisse im Umgang mit Einfluss haben, kann Rollen und Aufgaben besser verteilen.
Menschen mit starkem Machtmotiv können beispielsweise gezielt Verantwortung für Projekte, Entscheidungen oder strategische Themen übernehmen. Personen mit niedriger Machtorientierung entfalten ihre Stärken häufig in fachlicher Arbeit, Analyse oder Zusammenarbeit ohne hierarchischen Druck. Ein bewusstes Verständnis dieser Unterschiede kann dazu beitragen, Teams stabiler und produktiver zu machen.
Das Zusammenspiel von Machtstreben und Machtvermeidung muss daher nicht zwangsläufig zu Konflikten führen. In gut funktionierenden Teams können sich diese unterschiedlichen Orientierungen sogar ergänzen. Während die eine Seite Gestaltung und Richtung einbringt, sorgt die andere häufig für Kooperation, Ausgleich und fachliche Stabilität. Voraussetzung ist jedoch, dass diese Unterschiede erkannt und respektiert werden.
Motivation zu verstehen bedeutet deshalb auch, menschliches Verhalten nicht vorschnell zu bewerten. Stattdessen hilft der Blick auf die zugrunde liegenden Motive dabei, Zusammenarbeit bewusster zu gestalten und Konflikte frühzeitig zu erkennen.
Was passiert, wenn Machtvermeidung auf Machtstreben trifft? In vielen Teams und Organisationen entstehen Spannungen nicht durch mangelnde Kompetenz oder fehlenden Willen zur Zusammenarbeit. Häufig liegen die Ursachen tiefer. Unterschiedliche innere Motivationen können dazu führen, dass Menschen Situationen völlig unterschiedlich wahrnehmen und darauf reagieren. Besonders deutlich wird das beim Umgang mit [...]
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