Als Coach und Trainerin begleite ich Menschen mit Leidenschaft
auf ihrem persönlichen und beruflichen Weg.
Kaum etwas gilt in öffentlichen Debatten als so selbstverständlich wie der Satz: „Lass uns bei den Fakten bleiben.“ Er steht für Vernunft, Sachlichkeit und die Hoffnung, dass sich Streit auflösen lässt, wenn nur genug Informationen auf dem Tisch liegen. Und doch zeigt die Realität immer wieder das Gegenteil. Je mehr Daten, Zahlen und Argumente ausgetauscht werden, desto verhärteter werden viele Auseinandersetzungen. Positionen rücken nicht näher zusammen, sondern weiter auseinander. Das wirft eine unbequeme Frage auf: Was, wenn Fakten gar nicht der Kern vieler Konflikte sind?
Konflikte beginnen meist nicht dort, wo Informationen fehlen. Sie entstehen häufig in Situationen, in denen Menschen dieselbe Wirklichkeit beobachten, aber völlig unterschiedlich bewerten. Zwei Personen hören dieselbe Aussage, erleben dieselbe Entscheidung oder lesen dieselbe Studie und kommen dennoch zu gegensätzlichen Schlussfolgerungen. Beide fühlen sich im Recht, beide halten ihre Argumente für logisch, beide empfinden die Haltung der Gegenseite als schwer nachvollziehbar.
Was dabei oft übersehen wird: Argumente sind selten neutral. Sie sind eingebettet in innere Prioritäten, Wertvorstellungen und persönliche Bedeutungen. Wer spricht, verteidigt nicht nur eine Meinung, sondern häufig auch ein inneres Ordnungssystem.
In vielen Konflikten übernehmen Fakten eine Rolle, die sie eigentlich nicht erfüllen können. Sie werden zu Stellvertretern für etwas Tieferliegendes. Hinter der Frage, ob eine Maßnahme sinnvoll, eine Regel notwendig oder eine Entscheidung gerecht ist, verbirgt sich oft eine andere Ebene: Was ist mir wichtig? Was bedroht mein Selbstverständnis? Was darf auf keinen Fall verloren gehen?
Auf dieser Ebene verlieren Fakten ihre vermittelnde Kraft. Sie werden nicht mehr gehört, sondern bewertet danach, ob sie das eigene Wertesystem stützen oder infrage stellen. Widersprechende Informationen werden nicht als Ergänzung wahrgenommen, sondern als Angriff.
Der entscheidende Unterschied zwischen Fakten und Werten liegt in ihrer Nähe zur Identität. Fakten lassen sich korrigieren, aktualisieren oder ersetzen. Werte hingegen sind eng mit dem eigenen Selbstbild verknüpft. Sie geben Orientierung, Sicherheit und Sinn. Wer Werte infrage stellt, rührt an etwas Persönlichem.
Deshalb eskalieren Konflikte besonders dann, wenn Menschen das Gefühl haben, dass grundlegende Überzeugungen nicht respektiert werden. Ordnung, Freiheit, Sicherheit, Gerechtigkeit, Zugehörigkeit oder Selbstbestimmung sind keine abstrakten Begriffe. Sie sind emotional aufgeladen und tief verankert. Sie entscheiden darüber, was als richtig oder falsch empfunden wird – unabhängig von der Faktenlage.
In solchen Situationen reden Konfliktparteien oft aneinander vorbei, ohne es zu merken. Sie verwenden dieselben Begriffe, meinen aber Unterschiedliches. Ein Appell an Verantwortung kann für die eine Seite nach Kontrolle klingen, für die andere nach notwendiger Verlässlichkeit. Der Ruf nach Freiheit wirkt für manche wie Gleichgültigkeit, für andere wie ein unverzichtbares Grundrecht.
Das erklärt, warum Gespräche trotz guter Absichten scheitern. Die Beteiligten reagieren nicht auf die Argumente, sondern auf die Bedeutung, die sie dahinter vermuten. Je stärker das eigene Wertesystem betroffen ist, desto weniger offen wird zugehört.
Paradoxerweise kann gerade der Versuch, besonders sachlich zu bleiben, Konflikte verschärfen. Wer mit immer neuen Fakten argumentiert, signalisiert unbewusst: Deine Perspektive ist falsch. Deine Prioritäten zählen nicht. Deine Wahrnehmung ist irrational. Für das Gegenüber ist das kein sachlicher Hinweis, sondern eine Abwertung.
So entsteht eine Dynamik, in der beide Seiten sich missverstanden fühlen. Die eine fordert mehr Rationalität, die andere mehr Respekt. Und beide bleiben in ihrem eigenen Deutungsrahmen gefangen, ohne zu erkennen, dass sie unterschiedliche Ebenen ansprechen.
Was in diesen Auseinandersetzungen fehlt, ist nicht Information, sondern Übersetzung. Es fehlt ein Verständnis dafür, warum bestimmte Themen bei manchen Menschen starke Reaktionen auslösen und bei anderen kaum Resonanz finden. Solange Konflikte ausschließlich auf der Sachebene geführt werden, bleibt dieser blinde Fleck bestehen.
Erst wenn sichtbar wird, welche inneren Werte und Prioritäten hinter Positionen stehen, verändert sich der Blick auf den Streit. Dann wird deutlich, dass viele Konflikte nicht deshalb festfahren, weil Argumente schlecht sind, sondern weil sie an der eigentlichen Ursache vorbeigehen.
An dieser Stelle setzt ein Ansatz an, der Konflikte nicht vereinfachen oder auflösen will, sondern erklärbar macht: das Reiss Motivation Profile®. Entwickelt von dem US-amerikanischen Psychologen Steven Reiss, beschreibt es menschliches Verhalten nicht über Typen, Rollen oder Charaktereigenschaften, sondern über grundlegende Lebensmotive.
Im Licht dieses Ansatzes erscheinen viele Konflikte in einem anderen Zusammenhang. Sie sind keine Auseinandersetzungen zwischen Vernunft und Unvernunft, sondern zwischen unterschiedlichen inneren Prioritäten. Was für die eine Seite selbstverständlich wirkt, berührt bei der anderen ein zentrales Motiv wie etwa Sicherheit, Unabhängigkeit, Ordnung oder Zugehörigkeit.
Das Reiss Motivation Profile® liefert damit keine einfache Lösung und kein Versprechen auf Harmonie. Es ersetzt weder Argumente noch Entscheidungen. Aber es verschiebt den Fokus. Wer Konflikte auf der Ebene von Motiven betrachtet, erkennt schneller, warum bestimmte Diskussionen festfahren und warum zusätzliche Fakten oft wirkungslos bleiben.
Der entscheidende Gewinn eines motivationsbasierten Blicks liegt nicht in Harmonie oder Konsens, sondern in Klarheit. Wer erkennt, dass Konflikte auf unterschiedlichen inneren Prioritäten beruhen, verändert die Art, wie er Streit wahrnimmt. Nicht jede harte Position ist ideologisch, nicht jede Unnachgiebigkeit irrational. Häufig verteidigen Menschen schlicht das, was für sie persönlich unverzichtbar ist.
An dieser Stelle wird das Reiss Motivation Profile® konkret nutzbar. Es zwingt nicht zur Einigung, sondern zur Präzision. Statt endlos über Argumente zu diskutieren, macht es sichtbar, worum es eigentlich geht: um Sicherheit oder Freiheit, um Ordnung oder Autonomie, um Status oder Gleichheit. Konflikte verlieren dadurch ihre moralische Überhöhung und werden als strukturelle Spannungen erkennbar.
Konflikte entstehen nicht durch Fakten, sondern durch Werte Kaum etwas gilt in öffentlichen Debatten als so selbstverständlich wie der Satz: „Lass uns bei den Fakten bleiben.“ Er steht für Vernunft, Sachlichkeit und die Hoffnung, dass sich Streit auflösen lässt, wenn nur genug Informationen auf dem Tisch liegen. Und doch zeigt [...]
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